Peer-to-Peer-Methoden

Interview mit Ana-Maria Stuth

Die Akadmie für Ehrenamtlichkeit Deutschland hat eine umfangreiche Erfahrung mit Peer-to-Peer-Methoden und einen gefüllten Methodenkoffer. Einen Überblick über die Idee und Funktionsweise der Methode gibt das folgende Interview mit Ana-Maria Stuth, Geschäftsführerin der AfED. Sie hat umfangreiche Erfahrungen in der Durchführung von Peer-to-Peer-Austauschformaten, etwa im Programm „Die Verantwortlichen“ der Robert Bosch Stiftung und im Projekt „Engagierte Stadt“.

Was ist die grundsätzliche Idee der Methode?

Wir haben alle Probleme im Berufsalltag, die wir lösen möchten. Sehr oft müssen wir das Rad dafür nicht neu erfinden, weil eine Kollegin oder ein Kollege schon mit Lösungsansätzen dienen kann oder die Lösung für das bestehende Problem bereits gefunden hat. Um es konkreter zu machen: Wenn wir von NPOs ausgehen, dann beschäftigen wir uns zum Beispiel alle mit Strategiefragen, Controlling oder Marketing. In Bezug auf die Engagementförderung beschäftigen wir uns damit, wie wir Freiwillige gewinnen und ihre Arbeit gut begleiten können. Das sind Fragen, die sich nicht nur eine einzelne Organisation stellt, sondern viele Organisationen beschäftigen sich damit. Wenn man es schafft diese zusammenzubringen, dann können die Teilnehmenden gemeinsam Lösungsansätze finden. Dazu versucht man zunächst herauszufinden, was die Schnittmengen sind, um dann einen gemeinsamen Beratungsprozess zu starten. Grundidee ist also, dass es nicht nur einen Experten gibt, sondern die Gruppe ist die Expertin oder der Experte.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von anderen Ansätzen? Was ist das Alleinstellungsmerkmal?

Der Regelfall in der Beratung besteht darin, dass wir uns einen Experten einkaufen und der sagt uns, wie es funktioniert. Hier aber starten wir einen Prozess mit einer bestehenden Gruppe, das heißt mit einem Team. Im Fall des Peer-to-Peer-Ansatzes bringt man verschiedene Organisationen zusammen, die gleichzeitig die zu Beratendenen und die Berater, die Experten und die Fragenden sind.

In welchen Kontexten lohnt sich der Einsatz der Methode ganz besonders?

Voraussetzung ist, dass die Organisationen ein gemeinsames Thema verbindet. Bei dem Programm der Robert Bosch-Stiftung „Die Verantwortlichen“ zum Beispiel geht es um Menschen, die etwas in der Gesellschaft verändern möchten. Sie haben alle das Ziel eine Wirkung zu entfalten. Sie haben aber auch ähnliche Probleme, die gemeinsame Fragestellungen aufwerfen:

Wie entwickeln wir eine sinnvolle Strategie? Wie können wir ein effektives Controlling umsetzen? Wie können wir unsere Wirkung identifizieren? Wie erreichen wir unsere Zielgruppe?

Diese Probleme und Fragestellungen können sie zusammen besser beantworten als alleine.

In dem Projekt „Engagierte Stadt“ geht es nicht um Organisationen, sondern um das Thema Engagementförderung. Genauer: Wie kann lokale Engagementförderung gelingen? Da arbeiten wir mit dem gleichen Ansatz, weil auch dort ähnliche Herausforderungen bestehen: Wie kann man Vereine aktivieren in einem Netzwerk mitzumachen? Wie kann man Unternehmen für Engagementförderung gewinnen?

Gibt es Kontexte, in denen der Ansatz nicht empfehlenswert ist?

Ja, wenn es kein gemeinsames Thema zwischen den Beteiligten gibt. Es kann nur funktionieren, wenn Schnittmengen vorhanden sind. Das ist wie in der kollegialen Beratung, die nur funktioniert, wenn wir einen gemeinsamen Erfahrungshorizont teilen. Wenn wir alle nicht-wissend sind, dann können wir uns auch nicht unterstützen. Es muss also Wissen, vor allem auch unterschiedliches Wissen, im Raum sein, damit man voneinander profitieren kann. Was aber nicht bedeutet, dass die Beteiligten die gleiche inhaltliche Arbeit machen müssen.

Was kann ich konkret von der AfED erwarten? Welche Formate werden angeboten?

Wir haben ein ganzes Portfolio an Methoden, die wir einsetzen, um einen Peer-to-Peer-Prozess anzukurbeln. Das sind kleinere Methoden wie zum Beispiel die Methode „Perlentaucher“, in der zunächst das Wissen im Raum auf Karten gesammelt und transparent gemacht wird. Die Themen, für die Interesse besteht, werden anschließend von den ExpertInnen auf dem jeweiligen Gebiet in Form eines „Short-Inputs“ vorgestellt. Wir bedienen uns aber auch klassischer Methoden, wie zum Beispiel „Brainstorming“, „Brainwriting“ oder der „Kopfstand-Methode“, die wir für den Peer-to-Peer-Kontext entsprechend angepasst haben. Außerdem bieten wir eine Gruppencoaching-Methode an und nutzen verschiedene Projektbewertungsmethoden für den Peer-to-Peer-Kontext. Last but not least verfügen wir über umfassende Moderationsexpertise.

Für welche Gruppengröße ist der Ansatz geeignet?

Wir haben bisher in Gruppen mit 5-20 Personen gearbeitet. Unter 5 macht es keinen Sinn, weil dann der Peer-to-Peer-Aspekt nicht in dem Maße entstehen kann. Gruppen größer als 20 Personen sind auch vorstellbar, allerdings müsste man die Gruppe dann auf mehrere Moderatoren verteilen oder überlegen, welche Formate im Plenum stattfinden können und welche getrennt stattfinden müssen.

Das Interview führte Johannes Grünecker
Ansprechperson
Ana-Maria Stuth
(030) 290 492 15